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Kirche St. Fidelis
Die Katholische Kirche St. Fidelis wurde 1924-25 nach den Plänen des Architekten Prof. Clemens Hummel erbaut. Gemeinsam mit der Kath. Herz-Jesu Kirche in Stuttgart / Gaisburg (ebenfalls von Clemens Hummel) wird der Kirchenbau architekturgeschichtlich in eine Übergangsphase zwischen Historismus und Neuer Sachlichkeit eingeordnet.

Die Typologie der frühchristlichen Basilika in Italien diente dem Architekten als Vorbild. Dem dreischiffigen Binderbau aus Eisenbeton ist ein erhöht liegender Arkadenhof (Paradies) vorgelagert, der durch die betonte Ordnung der Rundsäulen bestimmt wird. Die nach Westen anschließende Giebelwand des Kirchenschiffes ist durch Lisenen vertikal gegliedert und wird von einem Aufbau gekrönt, der die Glocken trägt.

Die Figuren auf dem Portalgesims zeigen Jesus Christus wie er die Märtyrerkrone an den Heiligen Franziskus und den Heiligen Fidelis überreicht. Die künstlerischen Elemente des Hauptportals wurden vom Stuttgarter Künstler Prof. Joseph Zeitler geschaffen. Der gelbe Schilfsandstein für die Fassadengestaltung wurde aus dem Abbruchmaterial des ersten Stuttgarter Hauptbahnhofs in der Bolzstraße gewonnen. Den dreischiffigen Kirchenraum gliedern sechs durch Eisenbetonbinder verbundene Arkadenjoche, über denen sich eine kassettierte Holzdecke wölbt.

In der Nacht des 12. Sept.1944 brannte die Kirche St. Fidelis bei einem Bombenangriff bis auf die Außenmauern aus. Nach dem Wiederaufbau der Kirche in den Nachkriegsjahren wurde 1964 der Kircheninnenraum durch den bekannten Kirchenarchitekten Rudolf Schwarz nach den Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils neu gestaltet.

Die Bildtafeln des Kreuzwegs und drei Glasfenster wurden vom Künstler Prof. Georg Meistermann geschaffen. Das Kircheninnere wurde 1995 renoviert. Im Jahre 2005 wurde durch die Orgelmanufactur Vleugels, Hardheim, eine neue Orgel eingebaut. Der Orgelprospekt wurde von der Künstlerin Anina Gröger, Pforzheim, bemalt. Im Rahmen der Außensanierung 2009/2010 musste aus Sicherheitsgründen das Geläut der Kirche erneuert werden. 6 neue Glocken mit der Tonfolge gis’- h’ - cis’ - dis’’ - e’- fis krönen heute den Dreiecksgiebel. Die Katholische Kirche St. Fidelis wurde 1978 in das Landesverzeichnis der Baudenkmale in Württemberg eingetragen und ist ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung. (DSchG §12)

Adresse:
Kirche St. Fidelis
Seidenstr. 41
70174 Stuttgart

Impressionen der St. Fidelis-Kirche

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Impressionen unserer St. Fidelis-Kirche.
Bilder: Frau Annegret Mandry

Bilder vom Stadtjugendgottesdienst in St. Fidelis

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Chronik von St. Fidelis


Festschrift zum 75jährigen Bestehen der Kirchengemeinde St. Fidelis

Chronik :

Am 10. Dezember, dem 2. Adventsonntag des Jahres 2000 halten wir inne und gedenken
des 75. Weihetags der St. Fidelis-Kirche.

Durch den wirtschaftlichen Aufschwung kamen seit der Wende zum 20. Jahrhundert viele
katholische Christen nach Stuttgart. Nach dem 1. Weltkrieg bemühten sich Fidelis Erath,
Kaplan an der Elisabeth-Kirche und Fidelis Mahler, Mitglied des Stuttgarter Gemeinderats,
um den Bau einer Kirche und Errichtung einer neuen Gemeinde im West-Nord-Bereich
Stuttgarts.

Nach vielen vergeblichen Anläufen konnte am 22. März 1925 der Grundstein zur
Fidelis-Kirche gelegt werden. Architekt war Clemens Hummel, Professor an der staatlichen
höheren Bauschule Stuttgart. Am 13. Dezember 1925 hat Bischof Paul Wilhelm von Keppler
die Kirche geweiht, die Pfarrei Sankt Fidelis kanonisch errichtet und Fidelis Erath zum ersten
Pfarrer bestimmt.

Seit dem Jahr 1928 wurde in der Silberburgstraße das Zentrum mit einem Kinderhort ein
weiterer Treffpunkt der Gemeindemitglieder. Dort errichteten Schönstätter Marienschwestern
eine Station.

In der Zeit des Nationalsozialismus hat der politische Druck die innere Gemeinschaft der
Gemeindemitglieder gestärkt, der 2. Weltkrieg wurde ein erschütternder Einschnitt. Viele der
jungen Männer sind gefallen, die Stadt wurde zerstört. Beim Bombenangriff am

12. September 1944 wurden Kirche, Pfarrhaus und das Gemeindehaus wie die meisten
Häuser nicht nur in diesem Stadtbezirk zerstört, viele Menschen sind umgekommen.
Nach dem Ende des unheilvollen Krieges und der nationalsozialistischen Diktatur haben
Pfarrer Erath und Vikar Dr. Leopold Kurz den Wiederaufbau von Kirche, Kirchengemeinde
und kirchlichen Gebäuden betrieben, und wie viele Gemeindemitglieder selbst dabei
mitgeholfen. Bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1956 hat Pfarrer Erath die Gemeinde mit
großem Gottvertrauen und innerer Autorität geleitet und deren Erscheinungsbild geprägt.

Im gleichen Jahr noch wurde der bisherige Flüchtlingspfarrer Josef Steinhübl sein
Nachfolger. Der kirchlichen Neubesinnung in der Zeit des 2. Vatikanischen Konzils trug die
Innenrenovation der Fidelis-Kirche in den Jahren 1963/64 Rechnung. Professor Rudolf
Schwarz hat sie geplant und Frau Edeltraut Schwarz hat sie ausgeführt. Die Glasfenster und
die Kreuzwegstationen schuf Georg Meistermann. Neben der Erneuerung des
Kirchengebäudes war in dieser Zeit die Glaubensvertiefung und die Förderung des
Zusammenhalts in der Gemeinde ein großes Anliegen.

Dem dienten die "Gebietsmission", die Einrichtung des Wohnviertelapostolats", ein
Gemeindeführer und eigene "Kirchliche Mitteilungen". Ein erster Kirchengemeindrat wurde
1968 gewählt und in sein Amt der Leitung der Gemeinde zusammen mit dem Pfarrer
Eingeführt
Im Jahre 1969 wurde Pfarrer Steinhübl pensioniert, und Franz Josef Kuhnle als neuer Pfarrer
investiert. Vielfältig war das rege Gemeindeleben. Seit 1972 gibt es regelmäßig
Gemeinde-Wanderungen. Im gleichen Jahr hat die Gemeinde in Hinznang die "Fidelis
Ranch" erworben. Mit Bedauern und Freude zugleich haben die Gemeindemitglieder 1976
die Berufung ihres Pfarrers zum Weihbischof der Diözese aufgenommen.

Nun wurde Alfred Jerg Pfarrer der Gemeinde. Der geplante Neubau des Gemeindezentrums
mit Kindergarten und Jugendzentrum wurde seit 1976 ausgeführt und ist bis heute ein
wichtiger Bestandteil für das Gemeindeleben. Viele Gemeindemitglieder haben sich auch
aktiv am Ausbau der"Fidelis Ranch" beteiligt. Freizeiten, Klausurtagungen des Kirchengemeinderates
und mancherlei gemeindliche Aktionen finden bis heute dort statt.
Tieferschüttert hat die Gemeindemitglieder der plötzliche Tod von Pfarrer Jerg im
Oktober 1988, der seit einigen Jahren zusätzlich das Amt des Regionaldekans inehatte.

Von 1989 bis zum Jahr 2000 war Martin Kneer Pfarrer der Gemeinde. Diese Jahre waren
geprägt von einem großen Wandel der Zusammensetzung der Gemeindemitglieder und deren
Nähe zu Kirche und Gemeinde. Seit 1993 werden die Kirchlichen Mitteilungen" an alle
Gemeindemitglieder verteilt. Im Jahr 1995 wurde die Kirche renoviert, 1996 war die
"Gemeindeerneuerung". Den veränderten Gegebenheiten trug die Einrichtung des
"Pastoralausschusses" Rechnung. Im Jahr 2000 wurde die "Seelsorgeeinheit Stadtmitte
Stuttgart" eingerichtet und die Pfarreien St. Fidelis und St. Maria miteinander verbunden.

Seit Oktober 2000 ist Herbert Schmucker, Pfarrer von St. Maria, als Leiter dieses Teils der
Seelsorgeenheit auch Pfarrer von St. Fidelis.

Die 75 Jahre des Bestehens der Pfarrei St. Fidelis sind geprägt von ungeheuren
Erschütterungen und großem gesellschaftlichem und kirchlichem Wandel.

Dankbar sind wir für die vertrauensvolle ökumenische Zusammenarbeit mit den
evangelischen Mitchristen.

Dankbar sind wir für die Bereitschaft so vieler, das Leben der Gemeinde verantwortlich
mitzutragen. Sie sind - wie der heilige Fidelis einst - echte Zeuginnen und Zeugen des
Glaubens geworden.

So soll dieses Reliquiar die Erinnerung an den Glaubenszeugen Fidelis von Sigmaringen
wachhalten und so soll diese Chronik der vergangenen 75 Jahre an die vielen Glaubenszeugen
erinnern, die unsere Gemeinde in diesen Jahren hervorgebracht hat. Deren gelebtes
Zeugnis für das Evangelium möge uns und unsern Nachkommen Ansporn und Vorbild sein.

Der Fürbitte des heilige Fidelis und dem Segen Gottes empfehlen wir unsere Gemeinde und
legen zum Zeugnis dafür dieses Dokument in dem Reliquiar nieder, das Eugen Benk
geschaffen und gestiftet hat.

Stuttgart, den 10. Dezember 2000